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Lungenembolie

Diagnose, Prävention und Therapie von Gefäßverschlüssen in der Lunge

Lesedauer: 10 Minuten
Autor: Ella Rohrhirsch
Erstellt: 5.9.2023

Die Lungenembolie ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der auftritt, wenn sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) aus einer anderen Körperregion, oft aus den Beinvenen, löst und in die Lungenarterien gelangt. Dieser Gefäßverschluss kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter Atemnot, Herzinsuffizienz und im schlimmsten Fall zum Tod. In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit der Diagnose, Prävention und Therapie von Lungenembolien befassen.

1. Definition und Ursachen der Lungenembolie

1.1 Definition der Lungenembolie

Die Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall, der auftritt, wenn ein Blutgerinnsel oder Thrombus, das sich oft in den tiefen Beinvenen bildet und als tiefe Venenthrombose (TVT) bekannt ist, in die Lungenarterien verschleppt wird. Dieses Embolus blockiert einen Teil der Lungenstrombahn, was zu einer Beeinträchtigung des Blutflusses, einer verminderten Sauerstoffversorgung des Körpers und potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.

1.2 Ursachen der Lungenembolie

Die Entstehung einer Lungenembolie ist in den meisten Fällen eng mit einer tiefen Venenthrombose (TVT) verbunden. Die TVT kann sich bilden, wenn sich das Blut in den Venen verlangsamt oder staut, was oft bei längerer Immobilisation, Bettlägerigkeit oder nach Operationen der Fall ist. Das Blutgerinnsel kann sich dann lösen und durch den Blutkreislauf in die Lungenarterien gelangen.

Neben Thrombosen können auch Luft- oder Fettembolien zu einer Lungenembolie führen. Luftembolien treten häufig auf, wenn Luft in die Blutbahn gelangt, beispielsweise während chirurgischer Eingriffe oder Infusionen. Fettembolien können auftreten, wenn Fettgewebe aus gebrochenen Knochen oder nach traumatischen Verletzungen in den Blutkreislauf gelangt.

1.3 Risikofaktoren für die Entstehung einer Lungenembolie

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko einer Lungenembolie erhöhen können:

  • Bewegungsmangel: Langsames Blutfließen begünstigt die Bildung von Thromben.
  • Immobilisation: Bettruhe oder lange Flugreisen können das Embolierisiko erhöhen.
  • Operationen: Chirurgische Eingriffe können zur Bildung von Blutgerinnseln führen.
  • Verletzungen: Traumatische Verletzungen können die Blutgerinnung aktivieren.
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Insbesondere bei Rauchern erhöhen diese das Risiko.
  • Fortgeschrittenes Alter: Das Embolierisiko steigt mit dem Alter an.
  • Familiäre Vorbelastung: Eine genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen.
  • Übergewicht: Adipositas trägt zur Blutstagnation bei.
  • Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen und Druck auf die Venen können das Risiko erhöhen.
  • Krebserkrankungen: Einige Krebsarten erhöhen das Thromboserisiko.
  • Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder erworbene Störungen der Blutgerinnung können das Embolierisiko erhöhen.

Die Kenntnis dieser Risikofaktoren ist wichtig, um gefährdete Personen zu identifizieren und Präventionsstrategien einzusetzen, um die Entstehung einer Lungenembolie zu verhindern.

2. Diagnose von Lungenembolie

2.1 Klinische Symptome und Anzeichen

Die klinischen Symptome einer Lungenembolie können von subtilen Anzeichen bis hin zu akutem Organversagen reichen. Die Symptome können variieren und sind oft unspezifisch, was die Diagnose erschwert.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Plötzliche Atemnot: Betroffene können plötzlich Luftnot verspüren, die sich je nach Ausmaß der Embolie von leichter Atemnot bis hin zur Erstickungsgefahr steigern kann.
  • Brustschmerzen: Scharfe, stechende Brustschmerzen treten oft auf und können mit Herzinfarkten verwechselt werden.
  • Beschleunigter Herzschlag: Ein schneller Herzschlag (Tachykardie) ist ein häufiges Anzeichen.
  • Husten: Manchmal geht die Embolie mit Husten einher, der gelegentlich von Bluthusten begleitet wird.
  • Schwindel und Ohnmacht: Diese Symptome können aufgrund der verminderten Sauerstoffversorgung auftreten.
  • Unruhe und Angst: Patienten können unerklärliche Unruhe oder Angstgefühle verspüren.

2.2 Instrumentelle Diagnoseverfahren

Aufgrund der unspezifischen Symptome ist die Diagnose einer Lungenembolie oft herausfordernd. Ärzte setzen eine Kombination aus klinischen Beurteilungen, bildgebenden Verfahren und Laboruntersuchungen ein:

  • Computertomographie-Pulmonalis-Angiographie (CTPA): Dieses bildgebende Verfahren ist eine häufig verwendete Methode zur Diagnose von Lungenembolien. Es ermöglicht detaillierte Darstellungen der Lungenarterien und kann den Thrombus sichtbar machen.
  • Szintigraphie mit Lungenvorkommen (Ventilations-Perfusions-Szintigraphie): Hierbei werden radioaktive Substanzen verwendet, um die Verteilung von Luft und Blut in den Lungen zu beurteilen. Unterschiede in der Durchblutung können auf eine Lungenembolie hinweisen.
  • Doppler-Sonographie: Diese Ultraschalluntersuchung wird eingesetzt, um tiefe Venenthrombosen zu erkennen, die oft die Ursache von Lungenembolien sind.
  • D-Dimer-Test: Dieser Bluttest misst den Abbau von Fibrin, einem Protein, das bei der Blutgerinnung entsteht. Ein erhöhter D-Dimer-Wert kann auf eine Thrombose hinweisen, er allein ist jedoch nicht ausreichend für eine Diagnose.

Die richtige Diagnose erfordert eine umfassende Beurteilung der klinischen Anzeichen, der medizinischen Vorgeschichte und der Ergebnisse der diagnostischen Verfahren. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer Lungenembolie sind entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.

3. Prävention von Lungenembolie

3.1 Immobilisation und Risikoreduktion bei Patienten mit Bettlägerigkeit

Patienten, die aufgrund von Krankheit, Verletzung oder postoperativer Genesung immobilisiert sind, haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von tiefen Venenthrombosen, die wiederum zu Lungenembolien führen können.

Um dieses Risiko zu minimieren, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen:

  • Bewegung und Mobilisation: Regelmäßige Bewegung der Gliedmaßen, auch wenn der Patient im Bett liegt, fördert den Blutfluss und verhindert die Stagnation des Blutes in den Venen.
  • Kompressionsstrümpfe: Diese speziellen Strümpfe üben einen gleichmäßigen Druck auf die Beine aus, was den venösen Rückfluss verbessert und das Risiko von Thrombosen verringert.
  • Medikamente: In einigen Fällen können Antikoagulantien verschrieben werden, um das Blutungsrisiko zu senken.

3.2 Frühe Mobilisation nach chirurgischen Eingriffen

Nach chirurgischen Eingriffen ist eine frühe Mobilisation von großer Bedeutung. Durch Aufstehen und Bewegung wird der Blutfluss angeregt, was die Wahrscheinlichkeit der Thrombosebildung reduziert. Medizinisches Fachpersonal ermutigt Patienten oft, so bald wie möglich nach der Operation aufzustehen und zu gehen.

3.3 Antikoagulationstherapie als Prophylaxe

Bei Patienten mit hohem Risiko für die Entwicklung von tiefen Venenthrombosen, wie nach großen Operationen oder bei schweren medizinischen Erkrankungen, kann eine vorbeugende Antikoagulationstherapie in Betracht gezogen werden. Diese Medikamente hemmen die Blutgerinnung und verringern die Wahrscheinlichkeit der Thrombosebildung. Die Dauer der Therapie hängt von der individuellen Situation des Patienten ab.

Die Prävention von Lungenembolien konzentriert sich darauf, die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern, die in die Lungenarterien gelangen könnten. Die Kombination von Bewegung, Kompressionsstrümpfen, Medikamenten und geeigneten präventiven Maßnahmen nach Operationen ist entscheidend, um das Embolierisiko zu minimieren. Eine individuelle Bewertung der Risikofaktoren und eine angepasste Präventionsstrategie sind von großer Bedeutung.

4. Akute Therapie von Lungenembolie

4.1 Stabilisierung des Patienten

Die akute Therapie einer Lungenembolie beginnt mit der umgehenden Stabilisierung des Patienten. Dies beinhaltet die Sicherstellung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung über Sauerstoffmasken oder Beatmung bei schwerer Atemnot. Patienten mit niedrigem Blutdruck oder Schockzuständen benötigen möglicherweise eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr, um den Kreislauf zu unterstützen.

4.2 Antikoagulation zur Verhinderung der Thrombusvergrößerung

Die Hauptbehandlung bei akuter Lungenembolie besteht in der Verabreichung von gerinnungshemmenden Medikamenten, den sogenannten Antikoagulantien. Diese Medikamente hemmen die Blutgerinnung und verhindern so die Bildung neuer Blutgerinnsel. Gleichzeitig helfen sie, das vorhandene Blutgerinnsel zu verkleinern. Die Wahl des Antikoagulans und die Dosierung hängen von der Schwere der Lungenembolie und den individuellen Umständen des Patienten ab.

4.3 Thrombolyse bei schweren Fällen

In Fällen schwerer Lungenembolien, bei denen der Blutfluss in den Lungenarterien stark eingeschränkt ist und lebensbedrohliche Zustände vorliegen, kann eine Thrombolyse in Erwägung gezogen werden. Bei dieser Behandlung werden spezielle Medikamente (Thrombolytika) verabreicht, um den Thrombus direkt aufzulösen. Dieses Verfahren birgt jedoch ein erhöhtes Blutungsrisiko und wird daher nur in ausgewählten Fällen angewendet.

4.4 Embolektomie als letzte Option

Wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich sind oder nicht durchgeführt werden können, kann eine Embolektomie in Betracht gezogen werden. Hierbei wird der Thrombus chirurgisch entfernt oder mithilfe minimalinvasiver Verfahren wie der Katheterembolektomie abgetragen. Diese Methode wird jedoch nur bei schweren Fällen eingesetzt, in denen andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren.

Die akute Therapie von Lungenembolien zielt darauf ab, die Durchblutung der Lungenarterien wiederherzustellen, die Belastung des Herzens zu reduzieren und lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern. Die Auswahl der Behandlungsmethode hängt von der Schwere der Lungenembolie, dem Gesundheitszustand des Patienten und anderen individuellen Faktoren ab. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Intensivpflegekräften und anderen Fachleuten ist unerlässlich, um eine angemessene und rechtzeitige Behandlung sicherzustellen.

5. Langzeittherapie und Nachsorge

5.1 Dauer der Therapie und Risikobewertung

Die Dauer der Langzeittherapie nach einer Lungenembolie variiert je nach individueller Situation. Patienten, die eine Lungenembolie erlebt haben, benötigen oft eine längere Zeit gerinnungshemmende Medikamente, um das Risiko weiterer Blutgerinnsel zu reduzieren. Die Dauer der Therapie hängt von Faktoren wie der Schwere der Embolie, den zugrunde liegenden Risikofaktoren und möglichen Nebenwirkungen der Medikamente ab. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Bewertung wird vom behandelnden Arzt durchgeführt.

5.2 Notwendigkeit regelmäßiger Nachuntersuchungen

Nach einer Lungenembolie ist eine regelmäßige ärztliche Überwachung und Nachsorge wichtig, um den Therapieverlauf zu überwachen, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Behandlungsstrategie anzupassen. Während der Langzeittherapie können regelmäßige Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um die Blutgerinnung zu überwachen und die richtige Dosierung der Medikamente sicherzustellen. Bildgebende Verfahren wie die Doppler-Sonographie können genutzt werden, um eventuelle Fortschritte bei Thrombosen zu erkennen.

6. Fazit

Die Lungenembolie ist eine ernsthafte medizinische Notlage, die eine schnelle Diagnose und angemessene Behandlung erfordert. Prävention, Früherkennung und geeignete Therapieansätze spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Patienten, medizinischem Fachpersonal und Forschungseinrichtungen ist unerlässlich, um das Wissen über Lungenembolien zu vertiefen und die Versorgung der Betroffenen kontinuierlich zu verbessern.

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