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Die Wahl des technischen Pflegehilfsmittels

Bedarfsermittlung, Beratung und Einweisung

Lesedauer: 12 Minuten
Autor: Ella Rohrhirsch
Erstellt: 30.5.2023

Technische Pflegehilfsmittel spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen und tragen dazu bei, ihre Lebensqualität zu verbessern. Doch wie wird der Bedarf an solchen Hilfsmitteln ermittelt und welche Unterstützung steht den Betroffenen zur Verfügung? In diesem Artikel werden wir uns mit der Bedarfsermittlung für technische Pflegehilfsmittel auseinandersetzen und die Rolle fachmännischer Beratung beleuchten. Zudem werden wir uns mit dem Einsatz und der Handhabung dieser Hilfsmittel befassen, einschließlich Schulungen, Einweisungen und den Herausforderungen bei der Nutzung. Abschließend werden wir das Thema mit einem Fazit zusammenfassen.

1. Bedarfsermittlung für technische Pflegehilfsmittel

Die Pflege eines geliebten Menschen mit eingeschränkter Mobilität kann eine große Herausforderung für pflegende Angehörige darstellen. Um die Pflege effektiv und sicher zu gestalten, können technische Pflegehilfsmittel eine wertvolle Unterstützung bieten. Die Bedarfsermittlung spielt dabei eine entscheidende Rolle, um die richtigen Hilfsmittel auszuwählen, die den individuellen Bedürfnissen des Pflegebedürftigen gerecht werden.

Folgende Aspekte sollten bei der Bedarfsermittlung beachtet werden:

Erfassung der körperlichen Einschränkungen

Um den Bedarf an technischen Pflegehilfsmitteln zu ermitteln, ist es wichtig, die körperlichen Einschränkungen des Pflegebedürftigen genau zu erfassen. Dazu gehören beispielsweise Probleme mit der Mobilität, fehlende Kraft in den Gliedmaßen oder Schwierigkeiten beim Aufstehen und Hinsetzen. Eine genaue Beobachtung und Kommunikation mit dem Pflegebedürftigen kann hierbei hilfreich sein. Es kann auch sinnvoll sein, medizinische Fachkräfte wie Ärzte oder Physiotherapeuten hinzuzuziehen, um eine fundierte Einschätzung der körperlichen Einschränkungen zu erhalten.

Berücksichtigung der Aktivitäten des täglichen Lebens

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Bedarfsermittlung ist die Berücksichtigung der Aktivitäten des täglichen Lebens des Pflegebedürftigen. Welche Aufgaben kann der Pflegebedürftige selbstständig erledigen und welche benötigen Unterstützung? Zum Beispiel kann es sein, dass der Pflegebedürftige Schwierigkeiten hat, sich selbstständig zu waschen, auf die Toilette zu gehen oder sich anzuziehen. Es ist wichtig, die spezifischen Aktivitäten zu identifizieren, bei denen der Pflegebedürftige Hilfe benötigt, um geeignete technische Hilfsmittel auswählen zu können.

Analyse der Umgebungsfaktoren

Die Umgebung, in der der Pflegebedürftige lebt, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bedarfsermittlung von technischen Pflegehilfsmitteln. Faktoren wie die Wohnsituation, die Raumaufteilung und die baulichen Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden. Ist die Wohnung beispielsweise barrierefrei gestaltet oder müssen Anpassungen vorgenommen werden? Gibt es ausreichend Platz für die Nutzung bestimmter Hilfsmittel? Durch eine gründliche Analyse der Umgebungsfaktoren können passende Lösungen gefunden werden, die die Sicherheit und Funktionalität der Hilfsmittel gewährleisten.

Einbeziehung des Pflegebedürftigen und seiner Wünsche

Die Bedarfsermittlung sollte immer in enger Zusammenarbeit mit dem Pflegebedürftigen erfolgen. Es ist wichtig, seine Wünsche, Vorlieben und Bedenken zu berücksichtigen. Jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse und Präferenzen, die bei der Auswahl der technischen Pflegehilfsmittel beachtet werden sollten. Ein offener Dialog mit dem Pflegebedürftigen ermöglicht es, gemeinsam die bestmöglichen Lösungen zu finden und sicherzustellen, dass die Hilfsmittel den Bedürfnissen und Anforderungen des Pflegebedürftigen entsprechen.

2. Unterstützung durch fachmännische Beratung

Die Unterstützung durch fachmännische Beratung ist bei der Auswahl der passenden technischen Hilfsmittel von unschätzbarem Wert. Fachleute wie Pflegefachkräfte, Ergotherapeuten, Sanitätshäuser oder Hilfsmittelberater verfügen über das erforderliche Fachwissen und die Expertise, um Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bei der Auswahl geeigneter Hilfsmittel zu unterstützen.

Hier sind einige Möglichkeiten, wie fachmännische Beratung helfen kann:

  • Fachliche Expertise: Fachleute in der Pflegebranche verfügen über umfangreiches Wissen über die verschiedenen Arten von technischen Hilfsmitteln, ihre Funktionen und ihre Anwendungsbereiche. Sie können über die Vor- und Nachteile verschiedener Hilfsmittel informieren und diejenigen empfehlen, die am besten zu den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen passen. Ihre fachliche Expertise kann helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.
  • Individuelle Bedarfsanalyse: Fachleute sind in der Lage, eine genaue Bedarfsanalyse durchzuführen, indem sie die individuellen Bedürfnisse des Pflegebedürftigen berücksichtigen. Sie können den Zustand des Pflegebedürftigen, seine Fähigkeiten, Einschränkungen und Pflegeanforderungen genau einschätzen. Auf dieser Grundlage können sie maßgeschneiderte Empfehlungen für Hilfsmittel aussprechen, die den spezifischen Bedürfnissen des Pflegebedürftigen gerecht werden.
  • Produktkenntnis: Fachleute sind über die neuesten Entwicklungen auf dem Markt für technische Pflegehilfsmittel informiert. Sie kennen die verschiedenen Marken, Modelle und Funktionen der Hilfsmittel und können bei der Auswahl des geeigneten Produkts unterstützen. Sie können auch über die Qualität und Sicherheit der Hilfsmittel informieren, um sicherzustellen, dass Pflegebedürftige und pflegende Angehörige hochwertige und zuverlässige Produkte erhalten.
  • Praktische Demonstration und Schulung: Fachleute können Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in der praktischen Anwendung der Hilfsmittel schulen. Sie können zeigen, wie die Hilfsmittel korrekt verwendet werden und welche Sicherheitsvorkehrungen zu beachten sind. Durch eine praktische Demonstration können Pflegebedürftige und pflegende Angehörige das Hilfsmittel besser verstehen und sicherstellen, dass es effektiv und sicher verwendet wird.
  • Unterstützung bei finanziellen Aspekten: Fachleute können auch bei finanziellen Aspekten unterstützen. Sie können Informationen über mögliche Kostenübernahmemöglichkeiten durch Krankenversicherungen oder andere Sozialleistungen bereitstellen. Zudem können sie dabei helfen, ein realistisches Budget festzulegen und nach kosteneffizienten Optionen zu suchen, ohne die Qualität und Sicherheit der Hilfsmittel zu beeinträchtigen.

3. Einsatz und Handhabung von technischen Pflegehilfsmitteln

Damit Pflegebedürftige und pflegende Angehörige die technischen Pflegehilfsmittel effektiv einsetzen können, ist es wichtig, dass sie über eine angemessene Schulung und Einweisung verfügen. Zudem können Herausforderungen bei der Nutzung auftreten, und auch die regelmäßige Wartung und Reparatur der Hilfsmittel spielen eine entscheidende Rolle.

3.1 Schulung und Einweisung in die Nutzung des Hilfsmittels

Die Schulung und Einweisung kann auf verschiedene Weisen erfolgen und können sowohl für pflegende Angehörige als auch für Pflegebedürftige selbst angeboten werden. Dabei wird ihnen gezeigt, wie das Hilfsmittel richtig bedient wird, welche Funktionen es hat und wie es den individuellen Bedürfnissen angepasst werden kann.

Es gibt verschiedene Arten von Schulungen und Einweisungen in die Nutzung von technischen Hilfsmitteln für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige.

Hier sind einige Beispiele:

  • Schulungen durch Hersteller: Viele Hersteller bieten Schulungen für ihre spezifischen Hilfsmittel an. Diese Schulungen können entweder online oder in Form von Präsenzveranstaltungen stattfinden. Dabei werden die Funktionsweise des Hilfsmittels, die richtige Bedienung, die Anpassung an individuelle Bedürfnisse und Sicherheitsaspekte vermittelt. Teilnehmer haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und praktische Übungen durchzuführen.
  • Schulungen durch Pflegeeinrichtungen: Pflegeeinrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime oder ambulante Pflegedienste bieten oft Schulungen für pflegende Angehörige an. Diese Schulungen können sowohl theoretischen als auch praktischen Unterricht beinhalten. Pflegekräfte oder Therapeuten vermitteln dabei den Teilnehmern das Wissen und die Fertigkeiten zur Nutzung der Hilfsmittel, angepasst an die spezifischen Bedürfnisse der zu betreuenden Person.
  • Schulungen durch Pflegeberatungsstellen: Pflegeberatungsstellen sind eine weitere Anlaufstelle für Schulungen und Einweisungen. Sie bieten häufig Informationsveranstaltungen oder Workshops an, in denen pflegende Angehörige über den Einsatz von technischen Hilfsmitteln informiert werden. Dabei werden die Grundlagen der Nutzung vermittelt und Fragen beantwortet.
  • Schulungen durch Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige können ebenfalls Schulungen und Einweisungen in die Nutzung von technischen Hilfsmitteln organisieren. Hier haben Teilnehmer die Möglichkeit, Erfahrungen und Tipps auszutauschen und voneinander zu lernen. In einigen Gruppen werden auch Experten eingeladen, um spezifische Schulungen anzubieten.
  • Online-Ressourcen: Es gibt verschiedene Online-Ressourcen wie Webinare, Video-Tutorials oder interaktive Lernplattformen, die Schulungen zur Nutzung technischer Hilfsmittel anbieten. Diese können von Herstellern, Pflegeorganisationen oder Pflegeexperten bereitgestellt werden. Teilnehmer können die Schulungen flexibel und bequem von zu Hause aus absolvieren.

Es ist ratsam, solche Schulungen wahrzunehmen, da sie den pflegenden Angehörigen die Möglichkeit bieten, alle Fragen zu stellen und Unsicherheiten auszuräumen. Zudem können sie praktische Erfahrungen im Umgang mit den Hilfsmitteln sammeln und dadurch mehr Sicherheit gewinnen. Auch der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen kann wertvolle Informationen und Tipps bieten.

3.2 Herausforderungen bei der Nutzung

Der Einsatz technischer Pflegehilfsmittel kann für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige einige Herausforderungen mit sich bringen. Eine mögliche Schwierigkeit besteht darin, dass sich Pflegebedürftige zunächst an die Nutzung der Hilfsmittel gewöhnen müssen. Einige Menschen sind möglicherweise skeptisch oder ängstlich in Bezug auf neue Technologien. Hier ist es wichtig, einfühlsam zu sein und ihnen Zeit zu geben, sich an die Hilfsmittel zu gewöhnen. Es kann hilfreich sein, ihnen den Nutzen und die Vorteile der Hilfsmittel zu erklären und ihnen dabei zu helfen, die Funktionsweise zu verstehen.

Auch für pflegende Angehörige kann die Handhabung technischer Pflegehilfsmittel eine Herausforderung sein. Sie müssen sich mit den neuen Abläufen vertraut machen und den richtigen Umgang mit den Hilfsmitteln erlernen. Dies erfordert Zeit, Übung und Geduld. Es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und bei Unsicherheiten oder Fragen Unterstützung zu suchen. Dabei können sowohl die Hersteller der Hilfsmittel als auch professionelle Pflegekräfte oder Therapeuten behilflich sein.

3.3 Wartung und Reparatur

Die regelmäßige Wartung und gegebenenfalls Reparatur der technischen Pflegehilfsmittel ist entscheidend, um ihre Funktionalität und Sicherheit zu gewährleisten. Die genauen Wartungsanforderungen variieren je nach Hilfsmittel und Hersteller, daher ist es wichtig, sich über die spezifischen Empfehlungen zu informieren.

Die Wartung umfasst in der Regel das Reinigen der Hilfsmittel, den Austausch von Verschleißteilen und die Überprüfung der Funktionen. Es ist ratsam, sich an den empfohlenen Wartungsplänen zu orientieren und regelmäßig die notwendigen Maßnahmen durchzuführen. Dadurch können potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden, was die Lebensdauer der Hilfsmittel verlängert.

Sollte ein technisches Pflegehilfsmittel defekt sein, ist es wichtig, dass pflegende Angehörige über grundlegende Kenntnisse zur Fehlerbehebung verfügen. Bei kleineren Problemen können sie selbstständig entsprechende Schritte unternehmen, beispielsweise den Austausch einer defekten Sicherung. Bei größeren Reparaturen oder komplexen Fehlern ist es jedoch ratsam, einen Fachmann hinzuzuziehen. In solchen Fällen können die Hersteller der Hilfsmittel oder qualifizierte Servicetechniker weiterhelfen.

4. Fazit

Der Einsatz von technischen Pflegehilfsmitteln kann die Pflege von Menschen mit eingeschränkter Mobilität erheblich erleichtern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Bedarfsermittlung und die Auswahl geeigneter Hilfsmittel sind dabei entscheidende Schritte. Eine umfassende Schulung und Einweisung in die Nutzung der Hilfsmittel sowie die regelmäßige Wartung und gegebenenfalls Reparatur sind wichtige Maßnahmen, um eine sichere und effektive Nutzung zu gewährleisten. Es ist notwendig, die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen zu berücksichtigen und die Hilfsmittel entsprechend anzupassen. Durch eine sorgfältige Planung, Schulung und Wartung können technische Pflegehilfsmittel einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung und Verbesserung der Pflege leisten.

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