1. Das Wichtigste in Kürze: Das musst du über den Entlastungsbetrag wissen!

  • Der Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat steht Pflegebedürftigen aller Pflegegrade zu.
  • Mit dem Entlastungsbetrag können sogenannte Entlastungs- und Betreuungsangebote finanziert werden, die Pflegebedürftigen und ihren pflegenden Angehörigen den Alltag erleichern.
  • Der Entlastungsbetrag ist zweckgebunden: Erst, wenn die Leistungen beansprucht wurden, zahlt die Pflegekasse. Pflegebedürftige müssen hierfür entweder in Vorkasse gehen oder eine Abtretungserklärung unterzeichnen.
  • Wird der Entlastungsbetrag nicht vollkommen aufgebraucht, kann er über mehrere Monate angespart werden. Auch können ab Pflegegrad 2 nicht-vebrauchte Pflegesachleistungen in den Entlastungsbetrag umgewandelt werden.

2. Entlastungsbetrag: Was ist das?

Der Entlastungsbetrag (häufig auch als Entlastungsbeitrag bezeichnet) beschreibt eine der Leistungen von der Pflegekasse, die allen Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege zusteht. Er beträgt 125 Euro pro Monat und ist dafür gedacht, sogenannte Entlastungs- und Betreuungsleistungen zu finanzieren, die pflegende Angehörige in ihrem Pflegealltag entlasten und die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen fördern.

3. Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag: Wer kann ihn beanspruchen?

Den Entlastungsbetrag können Pflegebedürftige mit einem anerkannten Pflegegrad – und zwar bereits ab dem Pflegegrad 1 – beziehen, die während ihrer Pflege zu Hause wohnen. Anders als bei vielen anderen Pflegeleistungen muss der Entlastungsbetrag nicht gesondert bei der Pflegekasse beantragt werden und fließt automatisch auf das Konto, sondern ist zweckgebunden: Somit kann er erst erhalten werden, wenn die Leistungen bereits erbracht und vorab bezahlt wurden.

Neben einem anerkannten Pflegegrad (hier erfährst du übrigens, wie du ihn schnell und unkompliziert beantragen kannst), der Pflege zu Hause und der Zweckgebundenheit muss natürlich auch der Einsatz des Betrags die Kriterien für einen Anspruch erfüllen: So muss der Entlastungsbetrag auch wirklich zur Entlastung des:der pflegenden Angehörigen und/oder zur Förderung der Selbstständigkeit des:der Pflegebedürftigen genutzt werden. Dabei müssen die Entlastungsleistungen durch das jeweilige Landesrecht anerkannt sein.

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4. Wofür kann der Entlastungsbetrag eingesetzt werden?

Mit dem Entlastungsbetrag können und sollen Entlastungs- und Betreuungsleistungen bezahlt werden. Das bedeutet, dass geschulte Ehrenamtliche oder professionell Betreuende für einige Stunden im Monat die Pflege übernehmen und somit pflegende Angehörige entlasten. Davon profitieren sowohl Pflegebedürftige als auch Angehörige: Sie können sich nämlich sicher sein, dass ihre Liebsten gut versorgt sind, während sie selbst einen kurzen Moment durchatmen oder ihren anderen Verpflichtungen nachkommen. Die Pflegebedürftigen wiederum erhalten durch dieses Angebot Abwechslung und erfahren eine Förderung ihrer Selbstständigkeit.

Dementsprechend ist festgelegt, für welche Leistungen der Entlastungsbetrag aufgewendet werden kann:

  • Für Aufwendungen der Tages- oder Nachtpflege
  • Für Aufwendungen der Kurzzeitpflege
  • Für Aufwendungen der Unterstützung durch zugelassene ambulante Pflegedienste
    • Bei Pflegegrad 2 bis Pflegegrad 5 muss es sich bei dieser Unterstützung um pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie um Hilfen bei der Haushaltsführung handeln, damit der Entlastungsbetrag für sie aufgewendet werden kann.
    • Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag außerdem zusätzlich für Leistungen zugelassener Pflegedienste im Bereich der körperbezogenen Selbstversorgung beziehungsweise körperbezogener Pflegemaßnahmen verwenden – wie etwa Hilfestellungen beim Baden.
  • Für Aufwendungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag, wie
    • Betreuungsangebote, bei denen ehrenamtliche Helfer:innen unter pflegefachlicher Anleitung den:die Pflegebedürftigen betreuuen.
    • Angebote zur Entlastung von Pflegenden, bei denen pflegende Angehörige direkt entlastet und etwa durch Beratung unterstützt werden.
    • Angebote zur Entlastung im Alltag, die den:die Pflegebedürftige im Alltag, bei der Haushaltsführung oder der Organsation seiner:ihrer Hilfeleistungen unterstützen.

Konkret können die Angebote zur Unterstützung beispielsweise im Alltag eine Einkaufshilfe, eine stundenweise Betreuung zu Hause oder eine Tagesbetreuung in Kleingruppen, sowie auch eine Begleitung zum Arzt darstellen. Körperlich eingeschränkte Pflegebedürftige können so ihren Alltag agiler gestalten und ihre Bewegung mit entsprechenden Angeboten fördern. Aber auch Pflegebedürftige mit Demenz profitieren: Tätigkeiten, die die Kreativität und das Spielerische fördern, etwa durch den Besuch einer Sing- und Bastelgruppe bei einem Wohlfahrtsverband, werden durch den Entlastungsbetrag unterstützt.

Die meisten Angebote zur Unterstützung im Alltag werden von Ehrenamtlichen übernommen. Damit die von dir bezogene Entlastungsleistung aber von der Pflegekasse unterstützt wird, muss sie durch die zuständige Landesbehörde nach Maßgabe des jeweiligen Landesrechts anerkannt sein. Hierbei können sich pflegende Angehörige dann auch sicher sein, dass ihre Liebsten in guten Händen sind: Die anerkannten Angebote stellen nämlich mit einem Konzept sicher, dass nicht nur die die Qualifikation ihrer Helfer:innen ausreichend ist, sondern auch, dass sie im Notfall wissen, was zu tun ist. Die Ehrenamtlichen werden hierfür angemessen geschult, fortgebildet und von Fachkräften begleitet. Informiere dich vorher also unbedingt bei deiner Pflegeversicherung, auf welche rechtlich zugelassenen Anbieter:innen du in deiner Umgebung zurückgreifen kannst.

5. Der Umwandlungsanspruch beim Entlastungsbetrag

Wenn der:die Pflegebedürftige mit Anspruch auf den Entlastungsbetrag als Pflegeleistung in mindestens Pflegegrad 2 eingestuft wurde und eigentlich Pflegesachleistungen (mehr über die Pflegeleistung erfährst du hier) bezieht, kann er:sie bis zu 40 Prozent dieser Sachleistungen für Entlastungs- und Betreuungsleistungen nutzen. Ambulante Pflegesachleistungen können also auf Leistungen der Angebote zur Unterstützung im Alltag umgewandelt werden. Natürlich ist hierbei vorausgesetzt, dass die Pflegesachleistungen nicht für ambulante Dienste im Sinne der Pflegesachleistungen aufgebracht werden, sondern sozusagen "übrig" sind.

Gut zu wissen: Nicht genutzten Entlastungsbetrag ansparen

Schöpfst du oder dein:e Angehörige:r den Entlastungsbetrag von 125 Euro in einem Monat nicht voll aus, kannst du den übrig geblieben Betrag in den darauffolgenden Monaten bis Ende Juni des neuen Kalenderjahrs übertragen und ansparen. Das kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn die Ansprüche eines:einer Pflegebedürftigen auf Leistungen der Kurzzeit- und Verhinderungspflege für ein Jahr aufgebraucht sind, aber immer noch Kosten anfallen.

6. Enlastungsbetrag einreichen: So erhält man den monatlichen Zuschuss

Der monatliche Entlastungsbetrag ist zweckgebunden – das bedeutet, dass er nur dann von der Pflegekasse gezahlt wird, wenn der:die Pflegebedürftige ihn auch wirklich in Anspruch genommen hat. Um den Entlastungsbetrag erstattet zu bekommen, haben Pflegebedürftige zwei Möglichkeiten:

  • In Vorkasse gehen und alle Quittungen direkt bei der Pflegekasse einreichen.
  • Eine sogenannte Abtretungserklärung unterzeichnen: Hierbei treten Pflegebedürftige mit einer Unterschrift ihren Anspruch an den Entlastungsbetrag an den Anbieter ihrer Entlastungs- und Betreuungsleistungen ab. Die Pflegekasse rechnet dann direkt mit dem Anbieter ab.

Generell empfiehlt es sich, vor dem Beanspruchen von Entlastungs- und Betreuungsleistungen mit der Pflegekasse abzuklären, welche davon auch wirklich mit dem Entlastungsbetrag unterstützt werden.

Noch Fragen? Gerne beantworten wir deine Fragen zum Entlastungsbetrag. Sende uns deine Fragen per Mail an hallo@deinePflege.de oder sprich persönlich mit unseren Pflege-Expert:innen unter der Nummer: +49 7751 9299060.