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Herabstufung des Pflegegrades

Gründe, Konsequenzen und Gegenmaßnahmen

Lesedauer: 13 Minuten
Autor: Ella Rohrhirsch
Erstellt: 4.5.2023

Pflegebedürftigkeit ist oft eine langfristige und schwerwiegende Angelegenheit, die das Leben von Pflegebedürftigen und ihren Familienangehörigen stark beeinflusst. In den meisten Fällen verläuft die Pflegebedürftigkeit so, dass der Bedarf an Unterstützung zunimmt, was zu einer Notwendigkeit eines Höherstufungsantrags auf einen höheren Pflegegrad führt. Es kann jedoch auch vorkommen, dass eine Herabstufung des Pflegegrades stattfindet, was für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen oft mit großen Herausforderungen verbunden ist. Dieser Artikel soll pflegende Angehörige darüber informieren, welche Gründe zu einer Herabstufung des Pflegegrades führen können, welche Konsequenzen dies hat und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um dies zu verhindern oder – wenn die Herabstufung nicht abgewendet werden kann – mit der neuen Situation umzugehen.

1. Gründe für eine Herabstufung des Pflegegrades

1.1 Welche Faktoren können zu einer Herabstufung führen?

Die Herabstufung des Pflegegrades ist eine Maßnahme, die aufgrund einer Veränderung der körperlichen oder geistigen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen erforderlich werden kann. Diese Veränderungen können durch eine Verbesserung des Gesundheitszustands, eine Änderung des Hilfebedarfs, eine fehlende Mitwirkung des Pflegebedürftigen oder falsche Angaben verursacht werden.

Verbesserung des Gesundheitszustands Eine Verbesserung des Gesundheitszustands kann dazu führen, dass der Pflegebedürftige weniger Hilfe benötigt und somit eine Herabstufung des Pflegegrades erforderlich wird. Dies kann zum Beispiel bei einer erfolgreichen Therapie, einer Operation oder einer medikamentösen Behandlung der Fall sein. Wenn der Pflegebedürftige wieder in der Lage ist, bestimmte Aufgaben selbstständig zu erledigen, kann eine Herabstufung des Pflegegrades gerechtfertigt sein.

Änderung des Hilfebedarfs Eine Änderung des Hilfebedarfs kann ebenfalls zu einer Herabstufung des Pflegegrades führen. Wenn sich der Hilfebedarf des Pflegebedürftigen verringert hat, beispielsweise durch den Einsatz von Hilfsmitteln oder eine Anpassung der Wohnung, kann dies dazu führen, dass der Pflegegrad herabgestuft wird. Auch eine Veränderung des Bedarfs an bestimmten Pflegemaßnahmen kann eine Herabstufung des Pflegegrades zur Folge haben.

Fehlende Mitwirkung Eine fehlende Mitwirkung des Pflegebedürftigen kann dazu führen, dass der Pflegegrad herabgestuft wird. Wenn der Pflegebedürftige nicht aktiv an der Umsetzung seines Pflegeplans mitwirkt, indem er beispielsweise die verordneten Medikamente nicht einnimmt oder sich nicht an die empfohlenen Therapiepläne hält, kann dies zu einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands führen. In diesem Fall kann eine Herabstufung des Pflegegrades gerechtfertigt sein.

Falsche Angaben Falsche Angaben können ebenfalls dazu führen, dass der Pflegegrad herabgestuft wird. Wenn der Pflegebedürftige falsche Angaben gemacht hat, um einen höheren Pflegegrad zu erhalten, kann dies zu einer Herabstufung des Pflegegrades führen, wenn die tatsächlichen Umstände bekannt werden. In diesem Fall wird der Pflegegrad anhand der tatsächlichen Gegebenheiten neu bewertet.

1.2 Wie wird eine Herabstufung festgestellt?

Eine Herabstufung des Pflegegrades wird in der Regel im Rahmen einer erneuten Begutachtung festgestellt. Hierbei wird der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen erneut begutachtet und der Hilfebedarf neu bewertet. Der Medizinische Dienst für gesetzlich Versicherte, oder der Medicproof für privat Versicherte, ermittelt den aktuellen Pflegebedarf und überprüft, ob dieser noch mit dem bestehenden Pflegegrad übereinstimmt.

Im Rahmen der erneuten Begutachtung wird der Pflegebedürftige befragt und untersucht. Dabei werden seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten, seine Mobilität, seine Selbstständigkeit und seine sozialen Kontakte überprüft. Auch der Einsatz von Hilfsmitteln und Therapien wird bewertet. Anhand dieser Informationen wird entschieden, ob eine Herabstufung des Pflegegrades erforderlich ist oder nicht.

Es ist wichtig zu betonen, dass eine Herabstufung des Pflegegrades nicht automatisch erfolgt, sondern immer individuell bewertet wird. Wenn sich der Hilfebedarf des Pflegebedürftigen verringert hat, sollte er dies offen kommunizieren und sich auf die erneute Begutachtung gut vorbereiten, um eine faire und korrekte Bewertung zu erhalten.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass eine Herabstufung des Pflegegrades nicht immer negativ sein muss. Wenn sich der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen verbessert hat und er weniger Hilfe benötigt, kann dies bedeuten, dass er in der Lage ist, bestimmte Dinge selbstständig zu erledigen, was zu einer größeren Unabhängigkeit und Selbstbestimmung führen kann. Auch die Anpassung des Pflegegrades kann dazu beitragen, dass die Pflegeleistungen besser auf die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen abgestimmt werden können und somit zu einer besseren Versorgung beitragen.

In jedem Fall ist es wichtig, sich im Falle einer Herabstufung des Pflegegrades gut auf die erneute Begutachtung vorzubereiten und offen und ehrlich mit den Gutachtern zu kommunizieren. Nur so kann eine faire und angemessene Bewertung des Pflegebedarfs erfolgen.

2. Konsequenzen einer Herabstufung

2.1 Welche Auswirkungen hat eine Herabstufung des Pflegegrades?

Eine Herabstufung des Pflegegrades hat verschiedene Auswirkungen auf den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen. Zunächst einmal bedeutet eine Herabstufung, dass der Hilfebedarf des Pflegebedürftigen geringer eingestuft wird. Dies kann bedeuten, dass er weniger Pflegeleistungen und damit auch weniger finanzielle Unterstützung erhält.

Im Einzelnen können die Auswirkungen wie folgt aussehen:

  • Weniger Pflegeleistungen: Wenn der Pflegegrad herabgestuft wird, bedeutet dies in der Regel, dass der Pflegebedürftige weniger Pflegeleistungen erhält. Dies kann bedeuten, dass er weniger Unterstützung bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität erhält.
  • Geringere finanzielle Unterstützung: Wenn der Pflegegrad herabgestuft wird, bedeutet dies auch, dass der Pflegebedürftige weniger Geld für die Finanzierung seiner Pflege zur Verfügung hat. Das Pflegegeld und andere finanzielle Leistungen werden entsprechend angepasst.
  • Veränderung des Betreuungsplans: Wenn der Pflegegrad herabgestuft wird, kann dies bedeuten, dass sich der Betreuungsplan ändert. Es kann sein, dass der Pflegebedürftige weniger oft von professionellen Pflegekräften betreut wird oder dass bestimmte Pflegeleistungen gestrichen werden.
  • Veränderung des Pflegeumfangs: Wenn der Pflegegrad herabgestuft wird, kann dies bedeuten, dass der Pflegebedürftige selbst mehr Verantwortung für seine Pflege übernehmen muss. Er wird möglicherweise mehr in die täglichen Pflegeroutinen einbezogen oder er muss bestimmte Aufgaben selbstständiger erledigen.

2.2 Was ändert sich für pflegende Angehörige?

Eine Herabstufung des Pflegegrades hat nicht nur Auswirkungen auf den Pflegebedürftigen selbst, sondern auch auf seine Angehörigen.

Mögliche Auswirkungen können sein:

  • Mehr Verantwortung: Wenn der Pflegebedürftige mehr Verantwortung für seine Pflege übernehmen muss, kann dies bedeuten, dass die Angehörigen mehr Aufgaben übernehmen müssen. Sie müssen möglicherweise häufiger bei der Pflege unterstützen oder organisatorische Aufgaben übernehmen.
  • Finanzielle Belastung: Wenn der Pflegebedürftige weniger finanzielle Unterstützung erhält, kann dies bedeuten, dass die Angehörigen mehr Kosten für die Pflege übernehmen müssen. Dies kann zu einer finanziellen Belastung führen.
  • Veränderung der Betreuungssituation: Wenn der Betreuungsplan des Pflegebedürftigen sich ändert, kann dies auch bedeuten, dass sich die Betreuungssituation für die Angehörigen verändert. Möglicherweise müssen sie mehr Zeit und Energie investieren, um die Pflege zu organisieren.

Es ist wichtig zu betonen, dass eine Herabstufung des Pflegegrades nicht automatisch bedeutet, dass die Versorgung des Pflegebedürftigen schlechter wird. Es ist vielmehr eine Anpassung an den aktuellen Pflegebedarf, um sicherzustellen, dass die Pflegeleistungen optimal auf die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen abgestimmt sind. Es ist jedoch wichtig, dass der Pflegebedürftige und seine Angehörigen über die Auswirkungen einer Herabstufung informiert werden und gemeinsam mit den Pflegefachkräften und Gutachtern eine neue Pflegeplanung erarbeiten.

3. Was ist bei einer Herabstufung zu tun?

3.1 Wie kann man gegen eine Herabstufung vorgehen?

Wenn der Pflegebedürftige mit einer Herabstufung des Pflegegrades nicht einverstanden ist, kann er Widerspruch einlegen. Hierbei ist es wichtig, innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids zu handeln. Der Widerspruch sollte schriftlich erfolgen und die Gründe für die Unzufriedenheit darlegen. Es kann auch sinnvoll sein, ärztliche Gutachten oder andere Unterlagen beizufügen, die den Pflegebedarf des Antragstellers belegen.

3.2 Welche Möglichkeiten gibt es, den Pflegegrad zu halten oder zu verbessern?

Um den Pflegegrad zu halten oder zu verbessern, sollte der Pflegebedürftige regelmäßig überprüfen, ob die derzeitige Pflegesituation noch den aktuellen Bedürfnissen entspricht. Gegebenenfalls kann eine erneute Begutachtung beantragt werden, um den Pflegegrad neu zu bewerten. Hierbei ist es wichtig, sich gut auf die Begutachtung vorzubereiten und alle relevanten Unterlagen und Informationen bereitzustellen.

Darüber hinaus gibt es auch andere Maßnahmen, um den Pflegebedarf zu reduzieren oder zu verbessern. Hierzu können beispielsweise Rehabilitationsmaßnahmen, der Einsatz von Hilfsmitteln oder Therapien sowie die Unterstützung durch Angehörige oder ambulante Pflegekräfte zählen.

3.3 Was kann man tun, wenn der Pflegegrad tatsächlich herabgestuft wird?

Eine Herabstufung des Pflegegrades kann für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen belastend sein. Wenn dieser Fall eintritt, sollten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die neuen Bedingungen und Leistungen genau prüfen, um sich so auf die neuen Umstände einzustellen. Es kann sinnvoll sein, einen neuen Betreuungsplan zu erstellen, der den veränderten Bedürfnissen des Pflegebedürftigen entspricht

Hierbei kann es hilfreich sein, sich professionell beraten zu lassen, alternative Finanzierungsquellen zu prüfen, sich regelmäßig über die Leistungen der Pflegeversicherung zu informieren und bei Bedarf Anträge auf zusätzliche Leistungen zu stellen.

Um sich auf die Herabstufung vorzubereiten, sollten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sich über ihre Rechte informieren und bei Bedarf zusätzliche Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen.

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3.4 Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

  • Beratung durch Pflegefachkräfte: Pflegefachkräfte können den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen beraten und unterstützen, um eine optimale Pflegeversorgung sicherzustellen.
  • Ambulante Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste können den Pflegebedürftigen zu Hause unterstützen und entlasten. Hierzu zählen beispielsweise Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität.
  • Tagespflege: Tagespflegeeinrichtungen können den Pflegebedürftigen tagsüber betreuen und entlasten.
  • Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer: Ehrenamtliche Helfer können den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen unterstützen, beispielsweise durch Gesellschaft leisten, bei Einkäufen helfen oder kleine Besorgungen erledigen.
  • Finanzielle Unterstützung: Je nach Pflegegrad und Pflegebedarf kann der Pflegebedürftige weiterhin finanzielle Unterstützung durch die Pflegeversicherung erhalten. Hierzu zählen beispielsweise Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder die Kostenübernahme für Hilfsmittel.
  • Unterstützung durch Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen können Pflegebedürftigen und Angehörigen Unterstützung und Austausch bieten, beispielsweise bei psychischen Belastungen oder dem Umgang mit körperlichen Einschränkungen.
  • Beratung durch Sozialverbände: Sozialverbände wie beispielsweise der Sozialverband VdK oder der Deutsche Caritasverband bieten Beratung und Unterstützung bei Fragen rund um Pflege, Sozialrecht und finanzielle Unterstützung.

Es ist wichtig, dass der Pflegebedürftige und seine Angehörigen sich frühzeitig über die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten informieren und diese gegebenenfalls in Anspruch nehmen. Eine Herabstufung des Pflegegrades bedeutet zwar eine Veränderung, aber nicht zwangsläufig eine Verschlechterung der Pflegesituation. Mit der richtigen Unterstützung können Pflegebedürftige und Angehörige auch bei einem niedrigeren Pflegegrad eine gute Versorgung sicherstellen.

4. Fazit

Eine Herabstufung des Pflegegrades kann für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen belastend sein. Es ist wichtig, sich über die Gründe für eine Herabstufung, die Konsequenzen und mögliche Maßnahmen zu informieren. Es ist möglich, gegen eine Herabstufung Widerspruch einzulegen oder den Pflegegrad durch regelmäßige Überprüfung und Dokumentation zu halten oder sogar zu verbessern. Eine gute Vorbereitung und Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegepersonal kann ebenfalls dazu beitragen, den Pflegebedarf genau zu dokumentieren und so eine Herabstufung des Pflegegrades zu verhindern.

Im Falle einer Herabstufung sollten sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auf die neuen Umstände einstellen und sich gegebenenfalls professionell beraten lassen.

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