1. Verhinderungspflege: Das Wichtigste in Kürze!

  • Die Verhinderungspflege entlastet pflegende Angehörige, indem sie die Betreuung des:der Pflegebedürftigen sicherstellt, wenn sie im Urlaub oder selbst krank sind.
  • Anspruch auf Verhinderungspflege haben Pflegebedürftige mit mindestens einem Pflegegrad 2, die zuvor mindestens sechs Monate von Privatpersonen zu Hause gepflegt wurden.
  • Bei der Verhinderungspflege zahlt die Pflegekasse bis zu 1.612 Euro für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr.
  • Der Anspruch auf Pflegegeld besteht auch während der Verhinderungspflege.

2. Verhinderungspflege: Was ist das überhaupt?

Pflegende Angehörige haben sich dazu verschrieben, den:die ihnen nahestehende Pflegebedürftige:n zu Hause zu betreuen. Häufig bedeutet das: Sie stellen ihren eigenen Alltag, ihren Beruf und manchmal sogar ihre eigene Gesundheit hinten an – was eine ganz schöne Belastung sein kann.

Die Verhinderungspflege als Pflegeleistung wirkt hier entgegen: Sie entlastet pflegende Angehörige, indem sie dafür sorgt, dass Pflegebedürftige auch während einer kurzen Abwesenheit angemessen betreut und versorgt werden. Die Pflegekasse übernimmt dann nämlich die nachweisbaren Kosten, die bei einer Ersatzpflege zusätzlich anfallen – beispielweise die Fahrtkosten, die bei der Privatperson, die die Pflege stellvertretend übernimmt, anfallen oder die Kosten eines Pflegedienstes. So können pflegende Angehörige beruhigt verreisen, sich eine kleine Auszeit nehmen, eine berufliche Fortbildung wahrnehmen oder sich auskurieren, wenn sie selbst krank sind.

3. Wer kann die Verhinderungspflege beanspruchen?

Um die Verhinderungspflege als Pflegeleistung zu beziehen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der:die Pflegebedürftige muss zu Hause von einem:einer Angehörigen, einem:einer Freund:in oder sonstigen ehrenamtlichen Personen gepflegt werden und mindestens in den Pflegegrad 2 eingestuft worden sein.
  • Der:die Pflegebedürftige muss zuvor mindestens sechs Monate zu Hause gepflegt worden sein.

Übrigens: Wer innerhalb dieser sechs Monate von Pflegegrad 1 auf Pflegegrad 2 gestuft wurde, hat ebenfalls Anspruch auf die Verhinderungspflege. Wichtig ist nur, dass der Pflegegrad 2 dann vorliegt, wenn die Verhinderungspflege beansprucht werden möchte.

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4. Wie viel Geld zahlt die Pflegekasse bei der Verhinderungspflege?

Die Pflegekasse stellt allen Pflegebedürftigen, die die Anforderungen erfüllen, bis zu sechs Wochen die Leistungen der Verhinderungspflege zur Verfügung. Für alle Pflegebedürftigen mit den Pflegegraden 2 bis 5 sind das maximal 1.612 Euro. Mit diesem Geld können zusätzliche Ausgaben wie Fahrtkosten der Person, die die Ersatzpflege übernimmt oder auch unbezahlter Urlaub, der dafür nötig ist, entschädigt werden.

Damit das Geld auf dem Konto des:der Pflegebedürftigen landet, müssen alle entstandenen Kosten vorgestreckt und dann mit Belegen nachgewiesen werden können. Möchtest du also die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen, solltest du unbedingt alle Rechnungen aufheben!

Gut zu wissen: Verhinderungspflege von engen Verwandten gibt weniger Geld

Wird die Verhinderungspflege von Personen übernommen wird, die mit dem:der Pflegebedürftigen bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert sind und mit der pflegebedürftigen Person in einem Haushalt leben, zahlt die Pflegekasse weniger: Nämlich nur das Anderthalbfache des Monatsbetrags des Pflegegeldes.

Übrigens: Zusätzlich zum regulären Leistungsbetrag für die Verhinderungspflege können bis zu 50 Prozent der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege umgelegt werden (bis zu 806 Euro pro Jahr). Dies wird umgekehrt dann auf den Leistungsbetrag für eine Kurzzeitpflege angerechnet. So kann vermieden werden, dass der:die Pflegebedürftige in einer vollstationären Einrichtung betreut werden muss, sollte sein:e pflegende Angehörige:r länger ausfallen.

5. Wird das Pflegegeld auch während der Verhinderungspflege gezahlt?

Ja – auch wenn Pflegebedürftige die Verhinderungspflege beanspruchen, können sie weiterhin Pflegegeld beziehen. Dabei wird bis zu sechs Wochen pro Jahr die Hälfte des bisher bezogenen, anteiligen Pflegegeldes bezahlt. Ausnahmen sind der erste und der letzte Tag der Verhinderungspflege: An diesen Tagen bekommt der:die Pflegebedürftige das Pflegegeld in voller Höhe.

Beispielhafte Rechnung:
Wenn der:die pflegende Angehörige 14 Tage Urlaub macht, haben Pflegebedürftige in dieser Zeit Anspruch auf die Verhinderungspflege. Angenommen, die pflegebedürftige Person wurde in den Pflegegrad 3 eingestuft, stehen ihr regulär 545 Euro Pflegegeld zu.

Für den ersten und den letzten Tag der Verhinderungspflege erhalten sie nun das volle Pflegegeld pro Tag – also 2/30 von 545 Euro = ca. 36 Euro.

An den übrigen 12 der 30 Tagen des Monats wird das Pflegegeld halbiert:
545 Euro : 2 = 272,50 Euro x 12/30 = 109 Euro.

Also stehen dem:der Pflegebedürftigen während des Urlaubs seines:seiner pflegenden Agehörigen 145 Euro Verhinderungspflege zu.

Übrigens: Die Verhinderungspflege kann auch stundenweise beansprucht werden: Ist die pflegende Person weniger als acht Stunden pro Tag verhindert, steht dem:der Pflegebedürftigen an diesen Tagen das ganze Pflegegeld zu. Es wird also nicht mit der Verhinderungspflege verrechnet.

6. Darum solltest du deinen Anspruch auf Verhinderungspflege unbedingt geltend machen!

Gesundheit ist das Wertvollste, das wir haben – und deshalb sollten wir alle gut auf uns aufpassen. Eine:n Angehörige:n zu pflegen, bedeutet viel Arbeit, Stress, körperliche und emotionale Belastung. Um hierfür Energie zu tanken, durchzuatmen und zu neuen Kräften zu kommen, ist es unabdingbar, auch einmal eine Pause einzulegen. Denn nur fit und wohlauf können pflegende Personen ihren Liebsten die Unterstützung bieten, die sie brauchen. Und genau dafür ist die Verhinderungspflege da.

Noch Fragen? Gerne beantworten wir deine Fragen zur Verhinderungspflege. Sende uns deine Fragen via hallo@deinePflege.de oder sprich persönlich mit unseren Pflege-Expert:innen unter der Nummer: +49 7751 9299060